Hygienekonzept im Pflegeheim: Händehygiene, Inkontinenzversorgung, Hautpflege und Flächen – der Praxisleitfaden

Tabella dei Contenuti

In einem Pflegeheim ist Hygiene kein Nebenthema, sondern Teil der Pflege: Sie schützt Bewohnerinnen und Bewohner mit geschwächtem Immunsystem, das Personal und die Angehörigen – und sie entscheidet darüber, ob sich Menschen in Ihrem Haus wohlfühlen. Dieser Ratgeber fasst zusammen, was ein Hygienekonzept in der Praxis braucht: von der Händehygiene über die Inkontinenzversorgung und Hautpflege bis zu Flächen, Abfall und der Frage, wie sich das alles wirtschaftlich organisieren lässt.

Was ein Hygienekonzept enthält

Ein Hygienekonzept ist ein schriftliches Dokument, das festhält, wer was wann womit tut – und wer es kontrolliert. Kantonale Vorgaben und die Empfehlungen von Swissnoso und BAG geben den Rahmen; die Umsetzung ist Sache jedes Hauses. Die typischen Kapitel:

KapitelInhaltMaterial
Händehygiene5 Momente der Händedesinfektion, Waschen vs. Desinfizieren, HandschuhregelnSeife, Desinfektionsmittel, Spender, Handschuhe, Handtücher
Persönliche SchutzausrüstungHandschuhe, Schürzen, Masken – wann und wieNitrilhandschuhe, Einwegschürzen, Masken
Inkontinenz und KörperpflegeProduktwahl, Wechselintervalle, HautschutzEinlagen, Vorlagen, Pants, Slips, Waschlotion, Hautschutzcreme
Flächen und SanitärReinigungs- und Desinfektionsplan pro BereichFlächendesinfektion, Sanitärreiniger, Farbcode-Tücher
Wäsche und AbfallTrennung, Transport, EntsorgungHygienebeutel, Abfallbehälter, Wäschesäcke
AusbruchsmanagementVorgehen bei Norovirus, Influenza, MRSAReserve an Desinfektion, Handschuhen, Masken

Das Konzept lebt vom Material vor Ort. Die beste Anweisung nützt nichts, wenn der Desinfektionsspender leer ist oder die Handschuhe im Keller liegen. Darum gehört zu jedem Kapitel die Frage: Ist das Material dort, wo es gebraucht wird – und wird es nachgefüllt?

Händehygiene: der wichtigste Baustein

Über 80 % der Infektionsübertragungen laufen über die Hände. Die Regeln sind bekannt, die Umsetzung scheitert im Alltag an fehlenden Spendern oder zu weiten Wegen.

1

Desinfektion vor und nach jedem Kontakt

Händedesinfektion ist die Regel, Waschen die Ausnahme (bei sichtbarer Verschmutzung, nach dem WC, bei Norovirus). Der Spender gehört in jedes Zimmer, an jeden Stationsstützpunkt und an alle Eingänge.

2

Spender: Ellbogen, Sensor oder Pumpe

Ellbogen- und Sensorspender sind berührungslos und hygienisch, Edelstahl lässt sich desinfizieren. Für Bewohnerzimmer und Bäder reichen wandmontierte Kunststoffspender. Wichtig: ein System, eine Nachfüllung – siehe Ratgeber Welcher Spender für welchen Betrieb?

3

Handschuhe richtig einsetzen

Nitrilhandschuhe bei Kontakt mit Körperflüssigkeiten, Wunden und Ausscheidungen – pro Bewohner und Tätigkeit frisch. Handschuhe ersetzen die Desinfektion nicht: vorher und nachher desinfizieren.

Hautschonend wählen: Pflegende desinfizieren die Hände bis zu 50-mal pro Schicht. Rückfettende Desinfektionsmittel, milde Waschlotionen und eine Handschutzcreme am Schichtende verhindern, dass die Haut reisst – und rissige Haut ist selbst ein Hygienerisiko.

Inkontinenzversorgung: das richtige Produkt für jede Situation

Inkontinenzprodukte sind der grösste Materialposten im Pflegeheim – und der mit dem grössten Einfluss auf Lebensqualität, Hautzustand und Arbeitsaufwand. Die vier Produkttypen:

ProduktFür wenSaugstärkeBeispiele
Einlagen (anatomisch)Leichte bis mittlere Inkontinenz, mobile Bewohner, in der eigenen Unterwäsche oder Fixierhoseleicht – mittelSeni Lady, Seni Man, Seni San
Vorlagen mit HüftbandMittlere bis schwere Inkontinenz, Bewohner mit Unterstützung beim Wechseln; luftdurchlässig, rückenschonend beim Anlegenmittel – schwerSeni Optima
Pants (Windelhosen)Mobile Bewohner mit mittlerer bis schwerer Inkontinenz; wie Unterwäsche an- und ausziehbar, fördert Selbständigkeitmittel – schwerSeni Active
Slips (geschlossen, mit Klettverschluss)Schwere Inkontinenz, bettlägerige oder stark pflegebedürftige Bewohner, Nachtschwer – sehr schwerSeni Super, Super Plus, Super Quatro

Grösse nach Hüftumfang

Zu grosse Produkte laufen aus, zu kleine drücken. Massgebend ist der Hüft-/Bauchumfang, nicht das Körpergewicht. Grössentabelle auf jeder Verpackung – im Zweifel die kleinere Grösse mit dem enger anliegenden Sitz.

Saugstärke nach Tageszeit

Tagsüber leichter, häufiger wechseln; nachts eine Stufe stärker (Super Plus / Quatro), damit der Schlaf nicht unterbrochen wird. Nässeindikator beachten – er zeigt, wann ein Wechsel nötig ist.

Atmungsaktiv und hautfreundlich

Moderne Produkte mit atmungsaktiver Aussenschicht und Feuchtigkeitsregulierung senken das Risiko für Hautschäden deutlich. Das spart Hautpflegeprodukte und Pflegezeit.

Die Saugstärke richtig lesen

Auf jeder Packung steht die Saugstärke als Tropfen-Skala oder als Stufe (bei Seni: Normal, Plus, Super, Super Plus, Super Quatro; bei Seni Man Level 1-5). Die Richtwerte:

StufeAufnahme (ca.)ProdukteFür wen / wann
Leichtbis ca. 500 mlSeni Lady Slim / Normal, Seni Man Level 1-2, Seni San NormalTröpfcheninkontinenz, mobile Bewohner, tagsüber
Mittelca. 500-1’200 mlSeni Lady Plus / Extra, Seni Man Level 3-4, Seni San Plus, Seni Active Normal / PlusMittlere Inkontinenz, tagsüber, mobile Bewohner mit Pants
Schwerca. 1’200-2’500 mlSeni San Super / Maxi, Seni Optima Super, Seni Active Super, Seni SuperSchwere Inkontinenz, Tag und Nacht, Bewohner mit Unterstützung
Sehr schwerüber 2’500 mlSeni Optima Plus / Trio, Seni Super Plus, Seni Super QuatroNacht, bettlägerige Bewohner, lange Wechselintervalle

Richtwerte nach Labormessung; massgebend ist die Tropfen-Angabe des Herstellers auf der Packung. Die tatsächliche Kapazität im Alltag liegt bei rund einem Drittel bis der Hälfte des Laborwerts.

Weniger Wechsel ist nicht automatisch günstiger. Ein zu schwaches Produkt, das öfter gewechselt werden muss, kostet Pflegezeit und Hautgesundheit. Das richtige Produkt in der richtigen Grösse ist meist die wirtschaftlichste Lösung – wir helfen bei der Bedarfsanalyse, gerne mit Mustern.

Hautpflege und Körperpflege

Die Haut älterer Menschen ist dünn, trocken und verletzlich. Bei Inkontinenz kommt Feuchtigkeit dazu. Eine feste Routine verhindert Rötungen, Dermatitis und Dekubitus:

  • Reinigen mit milder, pH-hautneutraler Waschlotion oder Waschcreme – oder ohne Wasser mit Pflegeschaum und Waschhandschuhen (schnell, schonend, ideal beim Wechsel im Bett).
  • Pflegen mit Körperemulsion oder Creme mit Urea (3-10 %) gegen trockene Haut.
  • Schützen im Intimbereich mit Hautschutzcreme (Zinkoxid oder Barrierecreme) bei jedem Wechsel.
  • Haare und Bad: Shampoo-Schaum und Pflegeshampoo-Hauben für bettlägerige Bewohner.

Waschen ohne Wasser: Intimpflege beim Wechsel in 5 Schritten

1

Vorbereiten

Handschuhe, frisches Inkontinenzprodukt, Pflegeschaum, Waschhandschuhe oder Waschtücher, Hautschutzcreme und Abfallbeutel bereitlegen – nichts während der Pflege holen müssen.

2

Reinigen

Pflegeschaum direkt auf die Haut oder auf den Waschhandschuh sprühen, kurz einwirken lassen, mit dem Waschhandschuh abnehmen – von vorne nach hinten, pro Wischbewegung eine frische Fläche. Kein Wasser, kein Nachtrocknen nötig.

3

Kontrollieren

Haut auf Rötungen, Risse und Druckstellen prüfen und im Pflegebericht festhalten. Frühe Rötung ist das Signal, bevor eine Dermatitis entsteht.

4

Schützen

Dünne Schicht Hautschutzcreme (Zinkoxid) auf die gefährdeten Zonen – dünn, sonst verliert das Inkontinenzprodukt Saugkraft.

5

Neu versorgen und entsorgen

Frisches Produkt anlegen (Grösse und Saugstärke nach Tageszeit), gebrauchtes Material in den geruchsdichten Beutel, Handschuhe ausziehen, Hände desinfizieren.

Warum ohne Wasser? Pflegeschaum und Einweg-Waschhandschuhe sparen pro Wechsel mehrere Minuten, belasten die Haut weniger als Seife und Wasser und vermeiden feuchte Bettwäsche. Für die tägliche Ganzkörperpflege bleiben Waschlotion und Wasser die Basis.

Bettschutz und Krankenunterlagen

Krankenunterlagen schützen Matratze und Bettwäsche und erleichtern den Wechsel. Einwegunterlagen (40×60, 60×60, 90×60 cm) für die tägliche Versorgung, grössere Formate (90×170 cm) als Ganzbettschutz. Für Untersuchungsliegen und Rollstühle gibt es Schutzlaken und -bezüge. Wer Unterlagen als Ersatz für ein zu schwaches Inkontinenzprodukt verwendet, spart am falschen Ort: Die Unterlage schützt das Bett, nicht die Haut.

Flächen, Sanitär und Abfall

Flächendesinfektion

Nachttische, Bettgestelle, Türgriffe, Handläufe, Lifttasten täglich; Pflegehilfsmittel nach jedem Bewohner. Erst reinigen, dann desinfizieren. Gebrauchsfertige Tücher für unterwegs, Konzentrat für die Wischdesinfektion.

Sanitär

Bewohnerbäder täglich mit Sanitärreiniger, Gemeinschafts-WC mehrmals täglich kontrollieren. Farbcode-System für Tücher und Eimer (rot WC, gelb Sanitär, grün Küche, blau Zimmer).

Abfall

Inkontinenzmaterial gehört in geruchsdichte Beutel und geschlossene Abfallbehälter mit Fusspedal – im Zimmer und im Entsorgungsraum. Hygienebeutel in jedem Damen-WC.

Ausbruchsmanagement: die Checkliste für die ersten 24 Stunden

Norovirus, Influenza oder ein multiresistenter Keim auf der Station: Jetzt zählt, dass jeder weiss, was zu tun ist – und dass das Material da ist. Die Checkliste zum Aufhängen:

Sofort

Betroffene Bewohner im Zimmer versorgen, Kohortierung prüfen. Meldung an Heimleitung und kantonsärztlichen Dienst gemäss kantonaler Vorgabe. Hygieneverantwortliche informieren, Besucherregelung anpassen.

Schutz und Desinfektion

Bei Norovirus auf viruzide Hände- und Flächendesinfektion umstellen (begrenzt viruzid reicht nicht). Handschuhe, Einwegschürzen, bei Bedarf Masken pro Zimmer bereitstellen. Kontaktflächen mehrmals täglich desinfizieren.

Wäsche, Geschirr, Abfall

Wäsche im Zimmer in den Sack, keine Sortierung auf dem Gang, Wäsche bei mindestens 60 °C. Geschirr in der Maschine bei hoher Temperatur. Abfall in geschlossenen Beuteln und Behältern.

Personal und Kommunikation

Feste Zuteilung Personal-Zimmer, kranke Mitarbeitende bleiben zu Hause (bei Norovirus 48 Stunden symptomfrei). Angehörige informieren, Aushang am Eingang, tägliche Kurzbesprechung bis zum Ende des Ausbruchs.

Notvorrat, der immer im Haus ist (Richtwert für 2 Wochen Ausbruch): viruzide Händedesinfektion (ca. 3 ml pro Bewohnerkontakt), viruzide Flächendesinfektion oder Tücher, Nitrilhandschuhe (mindestens 10 Paar pro Bewohner und Tag), Einwegschürzen, Masken, zusätzliche Inkontinenzprodukte und Krankenunterlagen, Hygienebeutel. Wir stellen Ihnen auf Wunsch ein Ausbruchs-Set zusammen, das im Lager bleibt, bis es gebraucht wird.

Papierhygiene und Spender

Handtücher, WC-Papier und Seife sind Alltag – und der Punkt, an dem Bewohner und Angehörige Sauberkeit am direktesten erleben. Bewährt haben sich Autocut-Handtuchrollen im Edelstahlspender in Pflegebädern und Stationsbereichen (ein Blatt pro Abriss, berührungslos, desinfizierbar), Kleinrollen im Bewohnerzimmer (vertraut, einhändig bedienbar) und Mini-Jumbo in Gemeinschafts-WC. Dazu Seifen- und Desinfektionsspender im gleichen System. Mehr dazu in den Ratgebern Welche Handtücher passen in meinen Spender? und Toilettenpapier: Lagen und Formate.

Wirtschaftlich organisieren

1

Sortiment straffen

Eine Marke pro Produktgruppe, ein Spendersystem pro Haus. Weniger Artikel bedeuten weniger Lager, weniger Fehler beim Nachfüllen und bessere Preise durch Menge.

2

Bedarf pro Bewohner erfassen

Inkontinenzprodukte nach Bewohner, Grösse und Saugstärke planen. Daraus ergibt sich ein Monatsbedarf, der sich als Dauerauftrag bestellen lässt.

3

Spender, Lieferung, Konditionen

Spender gibt es je nach Marke kostenlos oder als Leihspender mit Liefervertrag. Regelmässige Lieferung frei Haus, Mengenrabatte auf Offerte und ein fester Ansprechpartner – wir stellen Ihnen gerne eine Offerte auf Basis Ihrer Verbrauchsliste zusammen.

Rechenbeispiel Monatsbedarf: Haus mit 40 Bewohnern, davon 25 mit Inkontinenzversorgung. Tags 3 Vorlagen oder Pants, nachts 1 Slip: 25 × 3 × 30 = 2’250 Vorlagen/Pants und 25 × 30 = 750 Slips pro Monat, dazu rund 750 Krankenunterlagen und ein Waschhandschuh-Paar pro Wechsel. Wer das einmal pro Bewohner erfasst hat, bestellt monatlich in zwei Minuten – und sieht sofort, wenn der Verbrauch aus dem Rahmen läuft.

Händehygiene und Schutz

Inkontinenzversorgung Seni

Waschen ohne Wasser: Pflegeschaum, Waschhandschuhe, Waschtücher

Hautpflege und Bettschutz

✓ Lieferung frei Haus ab CHF 150.- Bestellwert
darunter CHF 9.90 Versandkosten · unter CHF 60.- zzgl. CHF 7.50 Kleinmengenzuschlag
Heute bestellt – morgen geliefert, rund 95 % ab Lager

Hygienekonzept umsetzen – mit einem Lieferanten für alles

Von der Händedesinfektion über Seni-Inkontinenzprodukte bis zu Spendern, Reinigung und Papierhygiene: Wir beliefern Alters- und Pflegeheime in der ganzen Schweiz aus einer Hand. Schicken Sie uns Ihre Verbrauchsliste oder vereinbaren Sie einen Besuch – wir erstellen Ihnen eine Offerte mit Muster.

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Häufige Fragen

Wann Hände waschen, wann desinfizieren?

Desinfizieren ist die Regel: vor und nach jedem Bewohnerkontakt, vor aseptischen Tätigkeiten, nach Kontakt mit Körperflüssigkeiten und der Umgebung. Waschen nur bei sichtbarer Verschmutzung, nach dem WC und bei Norovirus-Verdacht – dort wirkt Alkohol schlecht.

Wie wähle ich die richtige Inkontinenzgrösse?

Nach Hüft- bzw. Bauchumfang, nicht nach Gewicht. Die Grössentabelle steht auf jeder Verpackung. Bei Werten an der Grenze die kleinere Grösse wählen – sie sitzt dichter.

Sind Pants oder Slips besser?

Pants für mobile Bewohner, die sich selbst an- und ausziehen können – sie fördern die Selbständigkeit. Slips mit Klettverschluss für bettlägerige oder stark pflegebedürftige Bewohner und für die Nacht, weil sie beim Wechsel im Liegen einfacher sind.

Wie oft sollte gewechselt werden?

Wenn der Nässeindikator anschlägt, spätestens alle 4-6 Stunden tagsüber und einmal nachts; bei Stuhl sofort. Ein passendes, ausreichend saugstarkes Produkt reduziert unnötige Wechsel.

Welche Desinfektionsmittel brauchen wir im Ausbruchsfall?

Bei Norovirus ein viruzides Produkt (Hände und Flächen), bei Influenza reicht begrenzt viruzid. Legen Sie einen Notvorrat an: Händedesinfektion, Flächendesinfektion, Handschuhe, Schürzen, Masken – für mindestens zwei Wochen.

Können wir Spender kostenlos erhalten?

Je nach Marke und Menge: Viele Hersteller stellen Spender bei einem Liefervertrag kostenlos zur Verfügung, andere Spender kaufen Sie einmalig. Wir sagen Ihnen, welche Lösung für Ihr Haus am günstigsten ist.

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