Was Microfaser anders macht
Eine Microfaser ist etwa hundertmal feiner als ein menschliches Haar. Beim Herstellen wird jede Faser zusätzlich gespalten (Splitfaser), dadurch entstehen winzige Kanten und Hohlräume. Beim Wischen wirken diese Kanten wie tausende kleine Schaber: Fett, Staub und Bakterien werden mechanisch gelöst und im Tuch festgehalten – nicht nur verschoben wie bei Baumwolle.
Das hat drei praktische Folgen für den Betrieb:
- Die meisten Oberflächen werden mit Wasser allein sauber. Reinigungsmittel braucht es nur bei Fett und Kalk – das spart Chemie, Geld und Spülgänge.
- Ein Tuch nimmt bis zum Siebenfachen seines Gewichts an Flüssigkeit auf und trocknet Flächen streifenfrei.
- Richtig gewaschen hält ein Profi-Tuch 300 bis 500 Wäschen. Ein Baumwolllappen ist nach 50 durch.
Woran Sie Qualität erkennen
Preisunterschiede bei Microfasertüchern sind gross, und die Unterschiede sieht man dem Tuch nicht immer an. Diese vier Merkmale zählen:
| Merkmal | Profi-Qualität | Billigware |
|---|---|---|
| Flächengewicht | 250–350 g/m² – dick, saugstark, langlebig | unter 200 g/m² – dünn, verliert schnell die Form |
| Faser | 80 % Polyester / 20 % Polyamid, gesplittet | 100 % Polyester, ungesplittet – wischt nur |
| Kante | Ultraschall- oder Kettelnaht, fransenfrei | offene Kante, fusselt nach dem Waschen |
| Waschzyklen | 300–500 bei 60 °C (Herstellerangabe) | keine Angabe oder unter 100 |
Ein einfacher Test: Ein gutes Tuch bleibt an der trockenen Handfläche leicht «hängen», weil die gespaltenen Fasern greifen. Gleitet es glatt ab, ist die Faser nicht gesplittet.
Welches Tuch für welche Aufgabe
Frottee-Tuch (Frotty)
Das Universaltuch mit Schlingenoberfläche. Nimmt viel Schmutz und Flüssigkeit auf, ideal für Tische, Arbeitsflächen, Sanitär und Unterhaltsreinigung. In der Praxis das Tuch, das 80 % der Arbeit macht.
Glattes Tuch (Flexy, Strick)
Dünner, glatter, ohne Schlingen. Für Glas, Spiegel, Edelstahl, Chromarmaturen und Displays – überall dort, wo es streifenfrei werden soll. Leicht feucht anwenden, dann trocken nachwischen.
Glas- und Poliertuch
Sehr feine, dichte Faser. Nur für Fenster, Glasvitrinen und Hochglanzflächen. Nie für grobe Reinigung verwenden, sonst ist es ruiniert.
Microfasermopp
Gleiches Prinzip für den Boden: Der Mopp löst Schmutz mit wenig Wasser, trocknet schnell und lässt sich per Klett oder Taschen auf dem Halter befestigen. Ein Set aus drei bis vier Bezügen pro Halter reicht für einen Tag, dann wird gewaschen.
Das Farbsystem: vier Farben, keine Verwechslung
Das Farbsystem ist keine Dekoration, sondern Hygiene. Wer für WC und Küche das gleiche Tuch benutzt, verteilt Keime im ganzen Betrieb. Die Zuordnung ist in der professionellen Reinigung praktisch überall dieselbe:
| Farbe | Bereich | Beispiele |
|---|---|---|
| Rot | Sanitär, WC und Urinal – höchstes Keimrisiko | WC-Schüssel, Urinal, WC-Bürstenhalter |
| Gelb | Übriger Sanitärbereich | Waschbecken, Armaturen, Spiegel, Fliesen, Dusche |
| Blau | Allgemeine Flächen und Möbel | Tische, Schreibtische, Türen, Fensterbänke, Empfang |
| Grün | Küche und Lebensmittelbereich | Arbeitsflächen, Kühlschrank, Theke, Buffet |
Hängen Sie die Tabelle in den Putzraum, schulen Sie neue Mitarbeitende am ersten Tag damit – und bestellen Sie jede Farbe in genügender Menge. Sobald Rot fehlt, wird Blau genommen, und das System ist wertlos.
Pflegeheime, Praxen und Spitäler ergänzen das System oft mit einer fünften Farbe (z. B. Weiss oder Grau) für Bewohnerzimmer und patientennahe Flächen. Fragen Sie uns nach passenden Sets.
So wird das Tuch richtig benutzt
- Feucht, nicht nass. Das Tuch anfeuchten und auswringen. Ein tropfnasses Tuch schwimmt über den Schmutz, statt ihn zu greifen.
- Achtmal falten. Ein 40 × 40 cm Tuch zweimal gefaltet ergibt acht saubere Wischseiten. Pro Fläche eine Seite, dann weiterfalten – so wird Schmutz nicht auf die nächste Fläche getragen.
- Wenig Chemie. Für Staub, Fingerabdrücke und leichte Verschmutzung reicht Wasser. Reiniger nur dort, wo Fett oder Kalk sitzt – und dann sparsam, sonst verkleben die Fasern.
- Nicht mischen. Ein Tuch pro Farbe pro Bereich. Gebrauchte Tücher kommen in den Wäschesack, nicht zurück in den Eimer.
- Trocken nachwischen. Glas und Edelstahl mit einem zweiten, trockenen Tuch nachpolieren.
Waschen: So halten die Tücher jahrelang
Die meisten Microfasertücher werden nicht durch den Gebrauch kaputt, sondern in der Waschmaschine. Die Regeln sind einfach:
- 60 °C mit Vollwaschmittel; bei starker Verschmutzung oder im Sanitärbereich bis 90 °C, wenn der Hersteller es zulässt.
- Kein Weichspüler. Er legt sich wie ein Film um die Faser – das Tuch nimmt danach kein Wasser mehr auf.
- Kein Bleichmittel, kein Chlor. Beides zerstört die Splitfaser.
- Getrennt waschen. Nicht mit Baumwolle oder Frotteewäsche, sonst setzen sich Fusseln in der Microfaser fest.
- Tumbler nur niedrig (max. 60 °C) oder Lufttrocknung. Hitze über 90 °C schmilzt die Faser.
- Wäschesäcke für Farbcodes: rote Tücher separat waschen, damit das Hygienesystem auch in der Wäsche gilt.
Ein Tuch ist am Ende, wenn es hart wird, nicht mehr aufnimmt oder fusselt. Bei Profi-Qualität passiert das nach 300 bis 500 Wäschen – bei täglichem Gebrauch also nach ein bis zwei Jahren.
Die fünf häufigsten Fehler
- Weichspüler in der Wäsche – der Klassiker, das Tuch «putzt nicht mehr».
- Ein Tuch für alles – Keime wandern von der WC-Brille auf den Esstisch.
- Zu viel Reiniger – die Fasern verkleben, es entstehen Schlieren.
- Tropfnass wischen – Schmutz wird verteilt statt aufgenommen.
- Billigtücher ohne Angaben – nach 30 Wäschen fusselig, am Ende teurer als Profi-Ware.
Grundausstattung für einen Betrieb
| Betrieb | Empfehlung |
|---|---|
| Kleines Büro, Praxis | je 10 Tücher blau, gelb, rot; 5 Glastücher; 1 Mopp-Set mit 4 Bezügen |
| Restaurant, Café | je 25 Tücher grün und blau, je 10 gelb und rot; 10 Glastücher; 2 Mopp-Sets |
| Hotel, Heim (pro Etage) | je 25 Tücher pro Farbe, 10 Glastücher, 4–6 Mopp-Bezüge pro Wagen |
| Reinigungsfirma (pro Mitarbeiter/in) | je 10 Tücher pro Farbe im Wagen plus Reserve für den Wäschetausch |
Rechnen Sie mit zwei Sätzen: einer im Einsatz, einer in der Wäsche. So fehlt nie eine Farbe.
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